Eine der größten Entscheidungen, die du im Leben deines Neugeborenen treffen musst, ist gleichzeitig eine der wichtigsten: Wie willst du dein Baby ernähren? Manche Mütter ergeben sich ganz dem Bild der glücklichen, stillenden Mama – komme, was wolle und egal um welchen Preis. Andere sind leider nicht in der Lage, ihrem Kind die Brust zu geben oder haben andere Gründe, warum sie stattdessen zur Babyflasche greifen. Wenn es darum geht, was “besser” für das Kind ist, werden oftmals heiße Debatten entfacht, in denen Sätze und vermeintliche Argumente fallen, die nicht nur wenig hilfreich, sondern meist auch unfair und verletztend sind.

Das Muttersein als solches ist schon hart genug. Warum sollten wir anderen Mamis das Leben also noch schwerer machen, indem wir uns in ihre Entscheidung einmischen? Hier sind sieben Dinge, die wir künftig für uns behalten sollten, wenn wir anderen Mamis wirklich helfen und sie nicht einfach nur verurteilen wollen:

1. Jede Mutter kann stillen.

Schon mal an Adoptivmütter gedacht, als dieser Satz gefallen ist? Vermutlich nicht. Wenn du diesen erklärst, dass sie ihre Kinder nicht wirklich lieben, weil sie ihnen nicht die Brust geben, tust du ihnen damit keinen Gefallen. Und wie steht es um Mütter, die aufgrund physikalischer Gegebenheiten leider keine Milch produzieren oder aus anderen Gründen heraus nicht stillen können? Viele davon wünschen sich vermutlich, sie könnten ihr Kind selbst nähren – können es aber nun mal nicht. Das heißt nicht, dass sie mangelhafte Mütter sind, die ihren Babys etwas Wichtiges vorenthalten. Diese Mütter tun das Beste, was ihnen möglich ist – wie es die meisten Eltern versuchen. (Und da wäre bereits das nächste spannende Thema, “Elternsein”, doch dazu ein andermal.)

2. Mit Milchnahrung gefütterte Babys sind nicht so klug wie Stillkinder.

Das ist nicht wahr. Eine Menge Studien hat bereits das Gegenteil bewiesen – und die Studien, die behaupten, dass Flaschenkinder dümmer oder kränker sind als gestillte Kinder, mussten meist einräumen, dass der Unterschied der Testgruppen hinsichtlich Allergierisiko und Krankheitsanfälligkeit minimal ist. Haltet mich für verrückt, aber ich bin fest davon überzeugt, dass Milchpulver und Babyfläschchen noch kein Kind daran gehindert haben, später eine Elite-Universität zu besuchen. Wäre das so, würden Superstar Beyoncé, “Eine schrecklich nette Familie”-Star Christina Applegate, Sängerin Jennifer Lopez und Topmodel Molly Sims wohl kaum voll auf Milchpulver setzen.

Natürlich wird in Babys erstem Jahr der Grundpfeiler für seine spätere Entwicklung gelegt. Doch in genau diese spielt die Ernährung eher mit kleinem Anteil rein: Das soziale Umfeld, der Umgang mit den Eltern, die Erziehung und letztlich die Tatsache, wie viel man sich überhaupt mit seinem Kind beschäftigt, haben weit mehr Einfluss darauf, wer wir einmal werden als Erwachsener. Darüber entscheidet nicht die Muttermilch oder Muttermilchersatz.

3. Mütter, die nicht stillen, sind egostisch.

Das ist absolut richtig. Mütter, die nicht stillen, haben für sich und ihre Kinder eine Entscheidung getroffen, mit der beide leben und zurecht kommen müssen. Diese Entscheidung haben sie für sich und ihr Baby getroffen – nicht für andere Mütter. Sie haben sich dazu entschlossen, an sich selbst zu denken, an ihre Bedürfnisse und ihre Fähigkeiten – und dafür sollten wir ihnen applaudieren. Denn als Mütter denken wir definitiv viel zu wenig an uns selbst, weil wir unsere Kids zu jeder Zeit an die erste Stelle in unserem Leben stellen – denn genau dort gehören sie auch hin.

Wie oft sagen wir unseren Freundinnen, dass sie sich ein wenig Zeit für sich nehmen und auf sich achten sollen, damit sie überhaupt die Kraft haben, eine gute Mutter zu sein? Wenn Stillen für eine frischgebackene Mami aber bedeutet, dass ihr Leben dadurch unerträglich würde (aus welchen Gründen auch immer!) – sollte sie sich dann nicht lieber einer bewährten Lösung bedienen, die es ihr ermöglicht, sich selbst über Wasser zu halten und sich somit besser um ihr Kind kümmern zu können? Du musst keine Märtyrerin sein, um eine gute Mutter sein zu können.

4. Frauen würden nicht zu Milchpulver greifen, wenn sie sich besser informieren würden.

Die Entscheidung für Milchpulver hat nichts mit schlechter Recherche oder Nichtwissen zu tun. Die meisten Frauen, wenngleich sicherlich nicht alle, treffen ihre Wahl mit offenen Augen und wachem Geist. Sie haben sich durchaus mit den Vor- und Nachteilen von Muttermilchersatznahrung auseinandergesetzt. Diesen Müttern zu unterstellen, sie hätten sich keine Gedanken um die Ernährung ihres Kindes gemacht, ist herablassend.

5. Jede Frau sollte mal versucht haben, zu stillen.

Warum eigentlich? Milchpulver schadet weder Babys noch ihren Familien. Niemandem geht es schlechter, nur weil sich eine Mutter für die Flasche entschieden hat. Genau genommen kann es uns total egal sein, ob eine andere Mutter stillt oder das Fläschchen gibt. Wenn sich eine Frau für “Fertignahrung” entschieden hat, selbst wenn sie das “einfach nur so” gemacht hat, sollten wir mit den Schultern zucken und uns weiter um unseren eigenen Kram kümmern. Jemanden gegen seinen Willen zum Stillen zu zwingen oder ihm aus dem Nicht-Stillen einen Vorwurf zu machen, ist nicht fair. Es bedeutet, dass wir uns selbst ein moralisches Urteil über jemanden erlauben als einziger Mensch auf der Welt, der wirklich weiß, was gut für ein Neugeborenes ist. Doch sind wir mal ehrlich zu uns selbst: Keine Mutter weiß das mit hundertprozentiger Gewissheit.

6. Wer sich für Milchpulver entscheidet, macht es sich leicht.

Erinnern wir uns mal kurz daran, dass das Elterndasein ein verdammt harter Job ist. Selbst an vermeintlich einfachen Tagen. Niemand muss sich dafür schämen, dass er sich seinen Weg sucht, irgendwie durch den Tag zu kommen. Daher sollten wir uns lieber mehr Gedanken über Dinge machen, die das Leben unserer Kinder tatsächlich negativ beeinflussen, wie etwa häusliche Gewalt oder Ignoranz der Kleinen. Fassen wir es kurz: Sind es nicht meine Brüste, ist es nicht meine Angelegenheit. Ein Wettkampf, wer das härteste Leben zu meistern hat, bringt niemanden weiter.

7. Die Brust ist das Beste.

Was nach einer wissenschaftlichen These klingt, ist in erster Linie ein Urteil. Das Beste für wen – und in welcher Weise genau? Es gibt keine Wissenschaft, die belegt, dass es Flaschenkindern schlechter geht im Leben als gestillten Babys. Aber ist es nicht genau das, was zählt? Und nur das? Dass es allen Babys gleich gut geht? “Bestes” ist ein starkes Wort, das jede Mutter, die die Flasche gibt, in den Selbstzweifel treiben und dafür sorgen kann, dass sie sich schlecht fühlt und sich Vorwürfe macht. Niemand kann ernsthaft wollen, dass es einem anderen Menschen so geht, nur weil er eine andere Meinung vertritt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich stillende Mütter zum Ziel gemacht haben, Flaschenmamis zu bekehren und andernfalls dafür zu sorgen, dass diese sich schämen. Genau das willst du? Dann solltest du den Fehler nicht bei der Flaschenmutter suchen.

Jedes Kind ist anders. Jede Frau ist anders. Jede Brust ist anders. Jedes Leben ist anders. Jede Meinung ist anders. Und das ist gut so. Denn eines funktioniert immer gleich: Respekt.

 


 

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Erster Kommentar: 7 Dinge, die wir Müttern von Flaschenkindern nicht mehr sagen sollten

  1. Tina sagt:

    Danke für diesen und viele weitere Mut machende Artikel auf dieser Seite! Ich habe mich bewusst vor der Geburt gegen das Stillen entschieden, da ich überzeugt war, dass eine gleichberechtigte Arbeitsteilung zwischen mir und meinem Freund nur mit dem Fläschchen funktioniert. Allerdings habe ich dafür teilweise unfassbar negative Reaktionen aus meinem Umfeld, von Hebamme bis hin zu Freundinnen und Familie, bekommen, die mir alle das Gefühl gaben etwas Unverantwortliches und zutiefst Egoistisches zu tun. Ich habe mit Erschrecken festgestellt, dass es nicht akzeptiert wird, wenn ich mich als Frau ganz bewusst in diesem Punkt entscheide (lediglich akzeptiert wird das Scheitern beim Stillen, nachdem es wenigsten probiert wurde). Es ist verrückt zu sehen, wer offenbar alles eine Meinung zum Stillen hat und wie ungeniert abwertend über nicht-stillende Frauen geurteilt wird. Dem hegemonialen Still-Diskurs sei Dank.
    Ich habe mich die ersten Wochen nach der Geburt mit Vorwürfen und einem nur schwer abzustellenden schlechten Gewissen geplagt. Eure Seite und einige spärlich zu findende reflektierte Veröffentlichungen zum Thema haben mir geholfen, dagegen anzukommen und mich darauf zu konzentrieren, warum ich mich so entschieden habe: nämlich um das mühsam erkämpfte Thema Gleichbereichtigung zwischen mir und meinem Freund nicht mit der Geburt unseres Kindes direkt an der ersten Kreuzung ad acta zu legen. Es hat sich für uns gelohnt, so sehr, dass ich das Modell gerne weiterempfehle.

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