Christine (35) aus Herten hat bei ihrem Sohn wirklich alles versucht, um ihn stillen zu können. Anfangs lief es gut, doch als es zu Hause Probleme damit gab, bat die zweifache Mutter ihr Umfeld vergebens um Hilfe. Die Ernährung eines wunderbaren kleinen Babys wurde zur Höllenqual. Ein Erfahrungsbericht.

„Ich habe zwei Kinder. Meine Tochter ist 13 Jahre alt und mein Sohn fast ein Jahr. Als meine Tochter zur Welt gekommen ist, hätte ich sie stillen können, gesundheitlich ging es mir auch gut, aber ich wollte nicht.

Als ich mit meinem Sohn schwanger war, hatte ich mich schon während der Schwangerschaft mit dem Thema Stillen beschäftigt und mich dafür interessiert. Mir war klar, dass ich den Kleinen stillen will und das mindestens für ein halbes Jahr.

Ich habe mich erkundigt über Elternforen, Familien und den Bekanntenkreis. Alle erzählten, wie toll es sei zu stillen. Man hat die Milch immer dabei, sie kostet nichts und gesund ist Stillen auch.

Als mein Sohn zur Welt kam, klappte es im Krankenhaus mit dem Stillen sehr gut. Die Stillberaterin, die ich hatte, war für mich eine große Hilfe gewesen. Sie klärte mich über die Ernährung während der Stillzeit auf, worauf ich achten sollte beim Anlegen, und so konnte ich selbstbewusst nach Hause entlassen werden.

Daheim wurde plötzlich alles anders

Daheim angekommen musste sich der Alltag einpendeln. Mein Sohn kam zum Glück nur einmal in der Nacht wegen seines Hungers. Haushalt, Tochter, Mann und Sohn zu versorgen war anfangs tagsüber etwas stressig, aber mit der Zeit hatte es sich gut eingependelt. Schleichend merkte ich immer wieder pickende, stechende Schmerzen in meinen Brustwarzen. Je öfter ich meinen Sohn angelegte, desto schlimmer wurde es. Also erkundigte ich mich wieder übers Internet, was man dagegen tun könnte. Ich kaufte mir sämtliche Brustwarzensalben, verschiedene Stillhütchen, Stilleinlagen, größere Still-BHs. Immer mit der Hoffnung, damit müsse es funktionieren, dass die Entzündung wieder zurückgeht und ich wieder entspannt meinen Sohn stillen könne – ohne Schmerzen.

Leider, leider hatte ich dabei wenig Erfolg gehabt. Egal, was ich versucht hatte. Wenn ich mir eine andere Brustwarzensalbe besorgt hatte, hatte es jedes Mal nichts gebracht. Innerlich wurde ich wütend. Das Stillen musste klappen. Ich wpllte weiterstillen! Egal wie!

Ich habe geheult, geschrien wenn ich meinen Sohn erneut angelegte. Wenn ich versucht hatte in meinem Umfeld darüber zu sprechen, dann wurde das alles immer verharmlost. Als wäre es ein aufgeschlagenes Knie. So nach dem Motto: Das geht wieder weg! Wird schon wieder! Zugegeben, ich hatte keine innerliche Ruhe ausgestrahlt. Wenn ich zu Hause putzen wollte, kam es mir manchmal vor, als hätte ich eine Art Bremse an mir. Wenn mein Sohn vor Hunger schrie, dann habe ich ihn angelegt – zack, zack – ihn wieder hingelegt und mich weiter meiner Hausarbeit gewidmet. Dass man dabei Ruhe und auch Zeit zum Stillen braucht, das war mir nicht so bewusst. Erst im Nachhinein.

Es war keine Besserung in Sicht

Fast fünf Wochen habe ich diese Schmerzen ausgehalten. Keine Besserung in Sicht. Meine Brustwarzen waren schon blutig. Auch unter der Dusche taten mir die Brustwarzen weh. Da wurde mir klar: Es muss etwas passieren, damit diese Schmerzen aufhören und meine Brustwarzen sich etwas erholen können. Aber wie?

Mir kam der Gedanke, meinem Sohn zwischendurch mal Pre-Nahrung zu geben. Damit meine Brustwarzen sich zwischendurch auch mal eine Pause gönnen dürfen. Also habe ich es gemacht. Mein Sohn nahm ohne Probleme die Flasche an. Nur meine Probleme mit den Brustwarzen waren immer noch da. Sobald ich ihn angelegt hatte, ging bei mir die Heulerei wieder von vorne los.

Psychisch konnte ich nicht mehr. Mir war klar, dass ich diesem Druck und Stress nicht gewachsen war. Zumal ich mir selbst Stress gemacht hatte. Denn: Ich wollte stillen. Um jeden Preis. Doch im Nachhinein war es mir einfach zu viel. Ich hatte immer wieder Angst vor meinen eigenen Sohn, wenn ich ihn anlegen musste. Denn ich wusste genau, dass es wieder Schmerzen geben wird. Dieses schöne chillige Stillen, wie man es überall in Baby-Zeitschriften sieht, wurde für mich zum Albtraum.

Eine wichtige Entscheidung musste getroffen werden

Also habe ich mir alles noch mal durch den Kopf gehen lassen und mir wurde klar, dass es so nicht weiter gehen kann. Ich habe mich entschlossen, meinem Sohn nur noch die Flasche zu geben. Das tat so gut! Ich merkte, wie sich meine Lage entspannte. Der Albtraum war vorbei.

Beim Abstillen hatte ich keine Probleme, auch keinen Milchstau. Ich strich die Milch aus und trank ordentlich Pfefferminztee und aß viele Gerichte mit Knoblauch. Als ich zur Nachsorge bei meiner Frauenärztin war, war auch alles in Ordnung gewesen. Keine Knoten, nichts. Alles gut.

Aber ich weiß: Wenn ich noch mal ein Kind kriegen sollte, würde ich es trotzdem erneut mit dem Stillen versuchen. Aber ich würde es ruhiger und gelassener angehen.“

 

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