Stillen ist ein Muss? Das hat Christiane (34) aus München nie so gesehen. Sie wusste bereits vor der Geburt ihres Sohnes, dass sie die Flasche geben möchte und nicht die Brust. Ihr Erfahrungsbericht zeigt, dass man diese Entscheidung auch ohne unnötiges schlechtes Gewissen treffen kann.

“Ich bin, im Gegensatz zu den meisten der Erfahrungsberichte, die ich bei Nuckelchen gelesen habe, eine ‘Flaschenmutter der ersten Stunde’: Schon lange, bevor ich schwanger wurde oder das überhaupt plante, stand für mich fest, dass ich nicht stillen wollte. Ich hatte mir gar keine großen Gedanken darüber gemacht – es fühlte sich einfach von vornherein nicht als ‘mein Ding’ an, und da ich selbst als glückliches – und weder allzu krankes noch zu dickes noch zu dummes – Flaschenkind aufgewachsen bin, kam ich überhaupt nicht auf die Idee, dass Flaschenmilch etwas Schlechtes sein könnte.

Niemand fragt, ob du überhaupt stillen willst

Als ich dann schwanger war, versuchte ich während der ersten Zeit trotzdem, mich mit dem Gedanken ans – zumindest teilweise – Stillen anzufreunden. Die Tatsache, dass in den Augen der Öffentlichkeit gar nichts anderes infrage kommt, als es zumindest zu versuchen, wirkte doch etwas suggestiv auf mich. Es fragt einen ja kein Mensch ‘Willst du eigentlich stillen?’, sondern alle reden gleich von ‘Wenn du dann stillst, …’. Aber die Vorstellung gefiel mir so gar nicht. Das Stillen kam mir vor wie eine lästige Pflicht, die während der ersten Monate die Freude am so sehr erwünschten und begeistert erwarteten Baby überschatten würde. Als mir das bewusst wurde, befreite ich mich ein für allemal innerlich von der ‘Stillpflicht’ und verschwendete danach nie wieder einen Gedanken daran.

Im Gegensatz zu vielen Frauen, von denen ich gelesen oder gehört habe, dass sie im Krankenhaus und von der Hebamme in Sachen Stillen ‘drangsaliert’ oder zwangsberaten wurden, habe ich diese Erfahrung gar nicht gemacht. Ich erwähnte bereits beim Vorgespräch in der Frauenklinik, dass ich nicht stillen würde und die Abstillpille wolle, und die Hebamme, die das Gespräch führte, notierte das ohne Umstimmungsversuche. Auch nach der Entbindung wurde ich von Seiten von Krankenschwestern, Hebammen und Ärzte nie zu überreden versucht. Aufgrund der Abstillpille wäre es ohnehin zu spät gewesen, aber ich wurde auch von keiner Seite dumm angeschaut oder angeredet.

Baby und Mama haben von der Flaschenmilch profitiert

Und was soll ich sagen – alles lief perfekt. Mein Sohnemann, der aufgrund einer leichten Mangelversorgung in den letzten Wochen der Schwangerschaft ganz schön mickrig zur Welt kam, trank vom ersten Tag an mit bestem Appetit und legte im Rekordtempo an Größe und Gewicht zu. Ich selber genoss es total, mir quasi von der ersten Woche an immer mal ein paar Stunden Auszeit von der verdammt schönen, aber auch verdammt anstrengenden ‘Babykennenlernphase’ zu nehmen.

Einfach mal einen Stadtbummel zu machen oder – das größte Highlight der egoistischen Mutter – auf ein Glas Wein mit Freundinnen zu gehen, und das alles ohne Gedanken ans Abpumpen, ob die Milch daheim reicht und ob ich jetzt eigentlich Knoblauch essen darf, das waren so die kleinen Ausflüge in mein altes Leben,die mir ganz ganz viel Energie für die anstrengenden Seiten meines – natürlich wunderschönen – neuen Lebens gaben. Nach dem Mutterschutz fing ich auch an, wieder stundenweise zu arbeiten, was auch gar kein Problem darstellte.

Flaschenmamis, outet euch!

Inzwischen ist der junge Mann, der neben mir seinen verspäteten Vormittagsschlaf hält, knapp neun Monate alt und zumindest bislang sieht man noch keine Schäden, die er von der Flaschennahrung davongetragen hätte, und wirkt insgesamt ganz normal.

Ich wollte euch meine, beziehungsweise unsere Geschichte schreiben, weil mir aufgefallen ist, dass bei den Flaschenmüttern diejenigen, die ‘es zumindest versucht haben’, deutlich überrepräsentiert sind und ich deshalb denjenigen, die – wie ich – ‘nicht mal einen Grund vorweisen können’ (als ob man das müsste!) Mut machen wollte, sich zu outen!”

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