Stillen ist das Beste für dein Kind – aber nicht unbedingt für dich. Das belegt nun die University of Calgary aus Kanada mit einer neuen Studie. Dieser zufolge kann Stillen eine Depression bei der Mutter auslösen.

Die Cumming School of Medicine der University of Calgary in Kanada hat in einer neu veröffentlichten Studie untersucht, wie sich das Stillen auf das Befinden und den seelischen Zustand der frischgebackenen Mütter auswirken kann. Bei 60 bis 80 Prozent aller Mütter kommt es in den ersten Wochen nach der Geburt zu Problemen beim Stillen, 42 Prozent stillen aufgrund dessen innerhalb von sechs Wochen nach der Geburt ab.

Still-Probleme führen zu Depressionen

Je nachdem, wie gravierend, kompliziert oder auch nervenaufreibend diese Probleme sind, wirkt sich das entsprechend auf die Psyche der Mutter aus. Auch der unterschiedliche Umgang von Ärzten, Hebammen und Stillberatern mit Müttern direkt nach der Geburt und später im Wochenbett ist laut Studie mit entscheidend dafür, wie gut oder schlecht es einer Frau psychisch geht.

Die Leiterin der Studie, Dr. Kathleen Chaput, belegt: Mütter, die schlechte Erfahrungen beim oder mit dem Stillen machen, werden verstärkt depressiv. Die sogenannte Wochenbettdepression ist also keineswegs etwas, das sich nur aus mehreren Faktoren zusammensetzen kann oder aus dem Nichts kommt, sondern ist, so Chaput, bei stillenden Müttern mit unangenehmen Erlebnissen fast schon garantiert.

Zwischen Juni und Oktober 2010 haben 442 Mütter mit der Absicht, zu stillen, aus den unterschiedlichen Krankenhäusern in Calgary an der Studie teilgenommen. Diese Frauen wurden innerhalb der ersten 72 Stunden nach der Geburt befragt, dann sechs Wochen später und abschließend noch mal sechs Monate nach der Geburt.

437 Frauen, also 98,9 Prozent der Mütter, hatten um Hilfe, Anleitung und Unterstützung beim Stillen geben in den jeweiligen Kliniken. 386 Frauen und somit 87,3 Prozent der Befragten gaben an, unter mittleren bis schweren Problemen beim Stillen gelitten zu haben. Eben diese Frauen hätten später unter Wochenbettdepressionen gelitten. Chaput zufolge gibt es einen signifikanten und sehr deutlichen Zusammenhang zwischen den gesammelten Erfahrungen und einer darauffolgenden Depression.

Abstillen als psychische Entlastung

Demnach ist es nicht verwunderlich, dass Frauen einen Ausweg aus einer solchen Situation suchen. Sicherlich fällt der Schritt des Abstillens nicht leicht, doch offensichtlich dient es oftmals dem seelischen Befinden einer jungen Mutter, entlastend zur Babyflasche zu greifen für die Ernährung ihres Kindes.

Die Studie zeige deutlich, dass das Personal in Krankenhäusern noch mehr darauf geschult werden müsse, nicht nur an das Wohl des Kindes zu denken, sondern auch an das der Mutter, sagt Chaput. Nur wenn man sensibel, sensitiv, geduldig und verständnisvoll mit einer Mutter im Wochenbett umgehe, könne man einer Depression vorbeugen.

 


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