Ramona (26) aus der Schweiz hat sich während der Schwangerschaft sehr ausführlich über das Thema Stillen informiert. Umso schlimmer war es für sie, als sie nach der Geburt ihrer Tochter nicht stillen konnte. Erst ihre Mutter führte sie zur Babyflasche. Ein Erfahrungsbericht.

“Ich hatte wirklich eine Traumschwangerschaft ohne jegliche Probleme und habe daher auch bis zur Geburt 80 Prozent gearbeitet. Unsere Tochter ist ein absolutes Wunschkind und natürlich wollte und will ich nur das Beste für sie. Vor der Geburt habe ich mich über einige Dinge informiert und mich schlau gemacht. Im Nachhinein wäre es besser gewesen, gewisse Dinge einfach auf mich zukommen zu lassen.

Die Geburt meiner Tochter hat lange gedauert, aber ist sehr gut verlaufen. Nachdem die Kleine auf der Welt war, wollte die Hebamme sie gleich an der Brust anlegen. Doch das Baby wollte einfach nicht trinken und drehte den Kopf nie Richtung Brust. Nach einigen Versuchen konnte sie die Brustwarze einfach noch immer nicht im Mund halten. Die Hebamme beruhigte mich und meinte, meine Tochter wäre einfach nur müde.

Im Zimmer angekommen, wollte ich nur noch schlafen und mein Baby auch, wir waren beide sehr erschöpft. Am nächsten Morgen dauerte es bis 14.00 Uhr, als endlich eine Hebamme kam und mir half, die Kleine anzulegen. Doch das Anlegen wurde zum Problem. Sie wollte in allen möglichen Positionen nicht trinken. Schaute immer in die andere Richtung. Wenn sie die Brustwarze endlich gefunden hatte, konnte sie das Vakuum nicht halten und schrie meine Brüste an. Die Tage im Spital verliefen schwierig. Die Kleine anlegen, bis sie endlich eine gute Position gefunden hat, Vakuum machen, saugen c Minuten, loslassen und wieder von vorne. Die Hebamme meinte nur: ‘Immer wieder anlegen, das kommt dann von alleine.’ Dass Stillen nicht immer einfach verläuft, wurde in keinen Informationsbroschüren erwähnt und ich war sehr enttäuscht.

Am zweiten Tag ging das Spiel von vorne los, nur waren meine Brustwarzen mittlerweile wund und blutig und schmerzten unglaublich, sodass ich das Baby kaum noch anlegen konnte. Die Hebamme kam mit Stillhütchen und es klappte auch ganz gut, nur dass meine Tochter nach fünf Minuten meine Brüste anbrüllte, weil ich immer noch keinen Milcheinschuss hatte. Also kam die Stilberatung vorbei, die mir zuerst alles Schlechte über das Stillhütchen erklärte und mir diese auch gleich wegnahm. ‘Es geht auch ohne!’, sagte sie. Sie versuchte, die Kleine an meine Brust anzulegen. Nach mehreren gescheiterten Versuchen wurde sie ziemlich grob zu der Kleinen, sodass ich abbrechen wollte. Die Stillberaterin sagte dann nur: ‘Alle zwei Stunden anlegen, dann kommt das schon.’

Ich fühlte mich so alleine und so habe ich der Stationshebamme mitgeteilt, dass ich am morgigen Tag das Krankenhaus verlassen möchte. Sie konnte es nicht verstehen, aber da ich keine Geburtsverletzungen hatte und die Kleine auch nicht abgenommen hatte, konnte sie kaum nein sagen. In der Nacht habe ich dann vor Enttäuschung im Spital geweint. Ich fühlte mich als Versagerin. Meine Tochter schrie die ganze Nacht vor Hunger. Als ich die Schwester gebeten habe, ihr doch die Flasche zu geben, verweigerte sie und meinte: ‘Nein, dann verweigert sie die Brust und das möchten wir ja nicht.’ Somit verbrachte ich die Nacht mit einem schreienden und hungrigen Baby im Arm und ich konnte nichts machen.

Endlich zu Hause angekommen, kam dann auch der Milcheinschuss. Meine Tochter trank mit Stillhütchen ganz gut und das Stillen verlief vier Wochen einigermassen gut. Die kleine hat an Gewicht aber immer nur das Minimum zugenommen. Von der sechsten bis zehnten Woche kam aber dann der Rückfall. An einem Sonntagabend hat meine Tochter nur noch geschrien. Ich konnte ihr die Brust geben, sie tragen, trösten, nichts hat geholfen. Nach dem Krankenhaus habe ich auf alles geachtet. Ich habe Stilltee getrunken, generell viel Wasser zu mir genommen, mich gut ernährt, Stress gemieden. Ich habe alles gemäß Infobroschüre gemacht.

Ich kannte meine Tochter so auch nicht. Sie hat eigentlich selten bis nie geschrien. Am nächsten Tag holte ich vorsorglich die Pre-Nahrung, nur für den Notfall, denn irgendetwas sagte mir, dass ich zu wenig Milch hatte. Ich legte mir eine Waage zu und habe die Kleine nach dem Stillen gewogen. Ja, ich weiß, dieses Vorhaben ist bei der Stillberatung sehr umstritten. Mir gab es trotzdem einige Anhaltspunkte. Nach dem ersten Wiegen, meine Tochter hatte an beiden Brüsten 20 Minuten getrunken, hatte sie lediglich 60 Gramm mehr auf der Waage. Also meldete ich mich bei der Stillberatung. Sie meinte, meine Tochter sei keine starke Trinkerin, das Stillhütchen mache alles schlimmer und das mit der Milch regele sich dann schon. Also versuchte ich, das Stillhütchen wegzulassen. Die Kleine konnte die Brustwarze jedoch nicht im Mund halten. Ich habe sie alle zwei Stunden angelegt, doch die Milch wurde nicht mehr.

Der Kinderarzttermin in der sechsten Woche gab dann nochmals eine Wende. Die Kinderärztin riet mir zwischen dem Stillen noch abzupumpen, um die Milchproduktion anzuregen. Da die Kleine sehr viel an Gewicht verloren hatte, machte ich mir auch langsam Sorgen.
Die nächsten zwei Wochen waren für mich Horror: Stillen, abpumpen, stillen, abpumpen. Ich kam nicht zur Ruhe und konnte die Zeit mit meiner Tochter gar nicht genießen. Meine Brustwarzen schmerzten und ich war einfach nur verzweifelt, da beim Abpumpen meist nur so 30 Milliliter aus beiden Brüsten kam und es wurde nach mehreren Tagen nicht mehr, sondern weniger. Sodass ich acht Wochen nach der Geburt ein schreiendes Baby nach dem Stillen hatte und beim Abpumpen gerade einmal 15 Milliliter kamen. Ich weinte nur noch, war enttäuscht über mich selber und schob die ganze Schuld auf mich.

Hilfe gab mir meine Mutter, die mir riet, zuzufüttern mit Pre-Nahrung. Meine Tochter nahm die Flasche sofort an und trank von Anfang an 150 Milliliter nach dem Stillen. Danach war sie sehr zufrieden. Für mich war die Situation jedoch belastend: Stillen, Flasche, abpumpen. Das war mein ganzer Tagesablauf und ich konnte die Zeit mit meiner Tochter einfach nicht genießen. Nach einem Gespräch mit meinem Mann beschloss ich abzustillen. Ich musste nicht einmal abpumpen oder etwas für das Abstillen tun, es kam einfach nichts mehr. Trotzdem ging ich noch zur Abklärung zur meiner Frauenärztin, die meinte: ‘Kein Wunder ging das Abstillen so schnell und das Stillen so schlecht, sie haben ja kaum Brustdrüsengewebe.’ Sie fragte mich dann noch, ob sich meine Brust während der Schwangerschaft oder vor der Geburt verändert hat. Nein, meine Brust blieb mehr oder weniger gleich klein, nämlich Cup A.

Was hat mir geholfen?

Im Nachhinein war meine Tochter sehr zufrieden, sie nahm super zu und war wieder ausgeglichen. Ich habe alle Broschüren aus dem Spital weggeschmissen. Das ganze Thema mit ‘das ist am besten’ und ‘so wird’s gemacht’ habe ich aus meinem Kopf gestrichen. Welche Studien können denn schon wirklich klar widerlegt werden? Ich bin auch ein Flaschenkind gewesen und ich habe keinerlei Allergien, bin selten krank und habe auch kein Übergewicht. Also ich bin ein Bespiel dafür, dass die ganzen Studien zum Stillen doch etwas hinterfragt werden müssen. Und die Seite Nuckelchen.de hat mir auch sehr geholfen, da ich wusste, ich war nicht alleine. Meine Kleine ist nun acht Monate alt. Sie ist fit und aufgeweckt, hat gut zugenommen und war noch nie krank.

Ich erhoffe mir natürlich beim nächsten Kind stillen zu können. Aber nicht um jeden Preis. Ich werde aber auf jeden Fall die ganze Informationsflut beim nächsten Kind an mir abprallen lassen. Ich bin der Überzeugung, dass jede Mutter einen Mutterinstinkt hat, auf den sie hören sollte, und nicht auf irgendwelche Studien, die mehr Angst verbreiten als etwas anderes.”

 


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