Der Markt für Milchpulver ist riesig. Welche Sorte? Welche Marke? Eltern von Flaschenkindern fällt die Suche nach dem “richtigen” Milchpulver oft schwer, beobachtet Kinderkrankenschwester Lucia Cremer. Sie erklärt, was beim Kauf zu beachten ist, ob die teuren Produkte auch die besten sind und wie man erkennt, dass Nuckelchen eine Sorte nicht verträgt.

Nuckelchen: Seit Jahrzehnten beraten Sie Eltern bei Fragen rund um Säuglingsnahrung. Warum tun sich diese bei der Suche nach dem geeigneten Milchpulver oft so schwer?
Lucia Cremer: Das Angebot ist zum einen erschlagend groß, zum anderen schwanken die Preise um bis zu 12 Euro pro 600-Gramm-Dose. Das sorgt verständlicherweise für Verwirrung.
Wie gehen Eltern von Flaschenkindern da am besten vor?
Cremer: Aus meiner Erfahrung ist eine gut überlegte Suche nur für die Eltern möglich, die von Anfang an nicht stillen werden. Bei den allermeisten fällt die Auswahl der Säuglingsnahrung in eine Zeit, in der ohnehin Chaos herrscht und die Gefühle “verrückt” spielen, weil das Stillen nicht so klappt wie man es sich vorgestellt hat. Eine persönliche Beratung wäre sehr hilfreich, ist aber leider schwer zu finden. Es lohnt sich, in der Familie und bei Bekannten nach Erfahrungen mit bestimmten Produkten zu Fragen und darauf zu Vertrauen, dass auch der eigene Nachwuchs die Nahrung vertragen wird. Ich selbst biete auch über meine Website Beratung rund um das Thema an.
Gibt es einen gängigen Fehler, den Eltern beim Kauf des Milchpulvers immer wieder machen?
Cremer: Viele Eltern wollen für ihr Baby nur das Beste und gerade Frauen, die gar nicht vorhatten, eine Säuglingsnahrung zu füttern, kaufen gerne eines der teuersten Produkte. Es ist aber nicht gesagt, dass die teuersten Nahrungen auch am besten geeignet sind. Mein Tipp ist, eine Nahrung zu wählen, die auch im Supermarkt um die Ecke verfügbar ist.
Also sind die teuersten Produkte nicht zwangsläufig die besten?
Cremer: Nein, sind sie nicht. Bei genauem Hinsehen zeigt sich, dass durch unterschiedliche Zutaten und Auswahl der LCP-Fette durchaus Preisunterschiede berechtigt sind, da diese Fette nun mal sehr teuer sind. Das kennt man auch vom Kauf hochwertigen Speiseöls. Aber die Auswahl der Zutaten alleine erklärt nicht bei allen Nahrungen den Preis. Einige Produkte sind ganz klar auf eine bestimmte Zielgruppe abgestimmt und schon allein durch intensive Werbung und schicke Verpackungen teurer.
Welche Babynahrung ist denn dann die beste?
Cremer: Diese Frage kann man nicht pauschal beantworten. Es ist so, dass das “Grundrezept” jeder Säuglingsnahrung gleich und die Zutaten in einer Richtlinie (EG-Richtlinie 2006/141/EG) gesetzlich geregelt ist. Diese Richtlinie lässt jedoch Spielraum und erlaubt bestimmte Zugaben wie Pre- und/oder Probiotika, LCP (langkettige, mehrfach ungesättigte Fettsäuren – wichtig für die Entwicklung von Gehirn, Sehvermögen und Nervensystem, Anm. d. Red.) und eine Toleranz der Menge von Eiweiß, Fett und Milchzucker. Als Anhaltspunkt kann ich sagen, dass Säuglingsnahrung für Babys unter sechs Monaten LCP-Fette und Taurin enthalten sollte und bei Babys über sechs Monaten bzw. dass ab Beikostalter auch eine “einfache” Nahrung ohne LCP und Taurin vollkommen okay ist.
Was sind typische Anzeichen, wenn ein Flaschenkind ein Produkt nicht verträgt?
Cremer: Leider kann man das gar nicht so konkret sagen. Die sogenannten Dreimonatskoliken haben nur selten etwas mit der Nahrung zu tun. So fallen Bauchschmerzen und Krämpfe als Hinweis für die “falsche” Nahrung aus. Ein typisches Anzeichen ist jedoch, wenn der Stuhlgang sehr flüssig ist und sehr stinkt oder das Kind eine echte Verstopfung hat.
Verträgt ein Baby eine Milch, sollte man bei dieser bleiben, heißt es immer. Doch wenn die Kosten für eine Familie zu hoch sind, kann man auch auf ein günstigeres wechseln? Worauf muss man achten?
Cremer: Ja, der Spruch “Never change a winning Team” hat etwas Wahres und gilt zunächst auch bei der Auswahl der Nahrung. Es ist jedoch nicht richtig, dass das Wechseln der Säuglingsnahrung grundsätzlich schlecht wäre für ein Baby oder gleich zu Durchfall oder ähnlichem führt. Wenn man die Marke wechseln möchte, ist das jederzeit möglich. Es ist jedoch ratsam, das Schritt für Schritt zu tun und zunächst mit einer Flasche der neuen Nahrung zu beginnen und dann Tag für Tag eine weitere Flasche durch die neue Nahrung zu ersetzen.

Lucia Cremer arbeitet seit mehr als 30 Jahren als Kinderkrankenschwester in Eschweiler. Die Buchautorin und zweifache Mutter bietet regelmäßig Kurse und Weiterbildungen an und ist auch im Internet auf ihrer Seite babytipps24.de als Expertin für Babynahrung aktiv.

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