Hand aufs Herz: Habt Ihr auch schon mal am Abend immer noch im Pyjama gesteckt, weil euch Baby und Haushalt keine freie Minute gelassen haben? Unsere Expertin gibt Tipps, wie Ihr den Alltag im Griff behaltet – auch wenn euch das Baby fest im Griff hat.

Eigentlich ist es kein Geheimnis, dass ein Baby alles auf den Kopf stellt. Trotzdem sind viele von uns überrascht, wenn es dann tatsächlich so kommt! Wir waren vorher vielleicht super organisiert, aber nun werden wir ständig bei allem unterbrochen – wenn wir überhaupt irgendwas anfangen können. Und dann kommt auch das noch hinzu: die Vergesslichkeit, über die viele Mütter nach der Geburt klagen.

Julia Tiefenbacher (40) aus München kennt das alles. Nicht nur, weil sie selbst zwei Söhne hat, sondern auch, weil sie Zeitmanagement-Kurse für Mütter gibt. Im Interview verrät sie, wie man das große Chaos im Baby-Alltag vermeidet.

Nuckelchen: Frau Tiefenbacher, mit welcher Art von “Problemen” kommen die ganz frischgebackenen Mamas auf Sie zu?

Julia Tiefenbacher: Ehrlich? Die ganz frischgebackenen sind meistens noch so voller Endorphine, dass Schlafmangel, Haushalt und andere Sorgen noch keine Rolle spielen.

Außerdem haben die meisten ganz bewusst das Wochenbett so geplant, dass dies eine reine Kennenlern- und Kuschelzeit mit Baby und Partner wird – und das ist gut so.

Wie bereitet man diese Zeit am besten vor?

Ich empfehle auf jeden Fall, eine Anschaffungsliste für die Babyausrüstung anzulegen. Zum einen, um die Übersicht zu behalten, und zum anderen sollte man diese mal Müttern vorlegen, die schon Babys haben und erfragen, was alles wirklich gebraucht wurde. So hat man auch gleich Wünsche parat, wenn man danach gefragt wird – was in der Regel der Fall ist.

Dann sollte man vor der Entbindung alles im Haus haben, was man vielleicht lieber selber kaufen geht, wie Binden etc. Ich rate auch, sich einen vorzeigbaren “Hausanzug” zulegen. Damit sieht man “angezogen” aus, es bleibt aber bequem!

Und man sollte rechtzeitig mit dem Vater, Nachbarn, Familie sprechen, wie die ersten Wochen organisiert sein sollen. Wann kann Besuch kommen, wer kümmert sich ums Kochen?

Julia Tiefenbacher

Julia Tiefenbacher gibt Müttern Tipps für mehr Struktur im Alltag.

Wie wichtig ist denn Struktur in den ersten Monaten mit einem Baby? Geht das überhaupt?

Ob es einem wichtig ist, kann man nur selbst entscheiden. Mir persönlich war es wichtig. Ich habe mir nur einmal pro Woche eine größere Tour wie einen Stadtgang oder ähnliches vorgenommen, weil das einfach mit Baby am Anfang stresst und nervös machen kann.

Außerdem habe ich einmal pro Woche jede Menge vorgekocht und strukturiert Einkaufslisten geführt, um nicht ständig mit Baby zum Supermarkt rennen zu müssen.

Natürlich habe ich mich auch dem Rhythmus meines Babys angepasst. Und als ich die Schlafzeiten irgendwann raushatte, habe ich in der Zeit entweder Haushalt oder etwas für mich gemacht. Und das ganz konsequent. Und ruhig auch mal Haushalt MIT Baby machen!

Mit Baby?

Da gibt es viele Möglichkeiten: Das Kind kann währenddessen im Tuch, in der Trage, in der Wippe oder im Stubenwagen in der Küche sein, während man dort kocht. Und beim Wäschewaschen: im Wäschekorb! ich habe meine Jungs immer auf die Wäsche gelegt.

Manche berichten, sie kämen anfangs gar nicht zum Wäschewaschen, geschweige denn zum Duschen oder Anziehen. Ist das nun mal einfach so mit Baby oder kann man dagegen etwas tun?

Mein Tipp: das Baby mit ins Badezimmer nehmen und weich gepolstert in die Badewanne legen (wenn man eine separte Dusche hat) oder in einen Wäschekorb. Meine fanden das immer sehr spannend. Unbedingt duschen, wenn das Baby wach ist! Die Zeit, wenn es schläft, braucht man für andere Dinge!

Mein Tipp fürs Wäsche waschen: Babysachen immer alleine, also nicht mit den eigenen Sachen waschen, damit man die Übersicht behält. Außerdem genügend Bodies etc. anschaffen, damit man sich auch mal etwas Zeit lassen kann.

Es fällt auf, dass viele Mütter über Vergesslichkeit klagen. Was hilft, um Termine und To-Dos nicht zu vergessen?

Aufschreiben, aufschreiben, aufschreiben …

Auch ein typisches Phänomen: Als Mutter ist man ständig am Suchen! Der Schlüssel ist weg – und das Handy findet man plötzlich im Kühlschrank wieder … Welche Tipps haben Sie dagegen?

Feste Plätze für alles – und diese zur Not sogar beschriften. Ein guter Tipp ist auch, die Wickeltasche innen zu beschriften, um auf einen Blick zu sehen, was fehlt. Und direkt nach jedem “Ausgang” mit Baby wieder auffüllen. Nicht erst, wenn man los muss!

Wie viel Zeit sollte man als Mama eines Babys für sich selbst einplanen? Gibt es eine Art Zauberformel?

Das ist sehr subjektiv. Aber ich empfehle es jeder Mutter unbedingt. Das gelingt mit einer gesunden Portion Egoismus und viel Organisation.

Ich habe mal einen Bericht gelesen, da wurde eine Mutter gefragt, was sie am Morgen als erstes macht – Kind wickeln, Flasche geben oder Frühstück machen … Die Antwort war: “mir einen Kaffee”. Wenn man etwas für sich tut, und wenn es nur die Tasse Kaffee am Morgen ist, kann man auch den anderen Familienmitgliedern etwas geben. Ich habe mir aus dem Grund eine Kaffeemaschine mit Timer angeschafft (lacht).

Sie haben es also geschafft, weiter Dinge zu tun, die Ihnen wichtig waren?

Mein erster Sohn ist Ende November geboren, ich kam also genau zur Adventszeit aus dem Krankenhaus. Meine Nachsorge-Hebamme war völlig fassungslos, weil ich zwischen ihrem ersten und zweiten Besuch meine ganze Wohnung weihnachtlich dekoriert hatte. Sie konnte nicht begreifen, warum ich das nicht einfach liegengelassen habe. Die Antwort ist ganz einfach: weil es mir wichtig ist und mir das gut tut.

Und wenn da auch noch ein älteres Geschwisterkind ist?

Also meine Erfahrung ist, dass meine älterer Sohn immer dann etwas ganz dringend gebraucht hat, wenn ich gerade gestillt habe … Es war aber auch umgekehrt so, da ich regelmäßig vergessen habe – ja, auch mir passiert das – mir etwas zu trinken und ein Spucktuch zurechtzulegen. Ich habe dann einfach den Spieß umgedreht und ihn ganz dringend gebraucht … Und irgendwann wurde es dann auch zu einem Ritual, dass wir uns in der Stillzeit unterhalten, Bücher angeschaut haben oder er einfach nur neben mir gespielt hat.

Und da ich bei beiden Söhnen nicht mehr stillen konnte, als sie jeweils drei Monate alt waren, konnte dann natürlich der Große dem Kleinen das Fläschchen geben.

Haben Sie spezielle Tipps für “Flaschenmamas”?

Ich komme aus der Hotellerie und da gibt es den schönen Begriff “mise en place” machen. Das bedeutet: gute Vorbereitung – und im Fall der Flaschenmamis:

  1. Immer abgekochtes Wasser in der richtigen Temparatur in einer gut isolierenden Thermoskanne bereit haben.
  2. Eine Flasche mit der richtigen Dosis Milchpulver bereit stellen und eine zweite leere für die Abmessung der Wassermenge. Genauso den passenden Sauger.
  3. Wenn alles aufgebraucht wurde  – direkt wieder vorbereiten!
  4. Alles in der Spülmaschine spülen und einen guten Sterilisator anschaffen.
  5. Die gleiche Vorbereitung rechtzeitig für die Wickeltasche anlegen.
  6. Immer genügend Milchpulver im Haus haben

Viele Mütter hören mit dem Stillen auf, weil der Zyklus “Stillen – Zufüttern – Abpumpen – Wickeln – schnell etwas essen – Stillen – Abpumpen …” einfach zu viel Zeit und Energie raubt. Für Sie nachvollziehbar?

Also ich habe der Natur ihren Lauf gelassen und bei meinen beiden Söhnen war einfach nach drei Monaten “die Quelle versiegt”.

Es muss jeder für sich entscheiden, beides hat Vor- und Nachteile. Stillen ist natürlich nachts praktischer, andererseits kann die Flasche auch der Vater geben. Aber man muss eben –gerade wenn man unterwegs ist – immer viel mitnehmen und mitdenken. Dafür empfinde ich persönlich Flasche geben in der Öffentlichkeit immer noch als angenehmer als Stillen.

Wie lautet die Strategie, wenn plötzlich alles anders kommt? Das Kind schreit nur noch oder wird krank. Wie bewahrt man da den Überblick?

Also zum einen: nach Hilfe fragen. Zum anderen: Hilfe annehmen! Nicht den Anspruch haben, alles selbst schaffen zu müssen.

Und in solchen Phasen wirklich nur das Nötigste machen. Was das ist, entscheidet jeder individuell für sich.

Aber: Wenn man sich einfach wohler fühlt, wenn das Haus aufgeräumt ist oder man selbst geduscht ist- dann machen! Und sich auch nicht von anderen einreden lassen, dass das doch unwichtig sei.

Julia Tiefenabacher ist Personal Business Coach und gibt Zeitmanagement-Seminare für Mütter. Termine findet Ihr auf ihrer Facebook-Seite.

 


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