F. Landsberg / ZVG
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Es würde sich schon alles einpendeln. Das hörte Lehrerin und Mama Friederike L. (35) aus München immer wieder – bis endlich festgestellt wurde, dass etwas ganz und gar nicht stimmte. Es waren nicht etwa Blähungen, die ihren Sohn quälten. Ein Erfahrungsbericht.

„Nach einer völlig unkomplizierten Schwangerschaft kam im September 2012 mein Sohn zur Welt. Für mich stand immer fest: Ich werde stillen. Es stellte sich überhaupt nicht die Frage, ob es funktionieren würde oder nicht. Für mich gab es nur Stillen. Im Geburtsvorbereitungskurs wie auch im Vorgespräch mit meiner Nachsorgehebamme war vollkommen klar: Wenn ich stillen möchte, dann klappt es auch!

Ich dachte, stillen gehört einfach dazu!

Nicht einmal Flasche und PRE-Nahrung hatte ich besorgt. Im Krankenhaus legte ich meinen Sohn an, und er trank recht gut. Die Stillberaterin zeigte mir mehrmals, wie das richtige Anlegen funktionierte, und ich war mir sicher, es läuft.

Vom Fläschchen wurde mir konsequent abgeraten

Wir wurden an einem Freitag entlassen, und am Samstag wachte ich morgens mit einem Milchstau auf. Meine Hebamme war nicht zu erreichen, statt dessen wandte ich mich an eine befreundete Hebamme, die mich beruhigte: Das gehöre dazu. Ich war zwar verzweifelt, da mein Zwerg Hunger hatte und schrie, aber ich ging immer noch von der Selbstverständlichkeit des Stillens aus. Inzwischen konnte ich auch meine Nachsorgehebamme erreichen – auch sie erklärte mir, es sei nicht nötig, dem Kleinen das Fläschchen zu geben.

Mein Zwerg hatte im Krankenhaus das übliche Gewicht verloren. Die Hebamme wog ihn bei den Nachsorgetermin nur recht sporadisch, da er meist schlief. Langsam nahm meine Stilleuphorie ab, da ich starke Schmerzen bekam. Ich wurde mit verschiedenen Dingen wie Stillhütchen versorgt, und man beruhigte mich, es würde sich alles einpendeln.

Bei den sporadischen Gewichtskontrollen, die ausnahmslos mit Windel stattfanden, fiel auf, dass mein Sohn nur sehr, sehr langsam zunahm. Nach sechs Wochen hatte er mit Windeln noch nicht sein Geburtsgewicht erreicht, aber auch hier wurde ich beruhigt. Er sei eben ein sehr zartes Kerlchen.

Die U3 war ein Schock, ich machte mir riesige Vorwürfe

Als die U3 anstand, ging ich stolz und voller Überzeugung, dass alles in Ordnung sei, zum Kinderarzt. Schon beim Ausziehen erkundigte sich meine Ärztin, ob er ein Frühchen sei, da er immer noch eine embryonale Haltung einnahm. Beim Wiegen stellte sich heraus, dass er sein Geburtsgewicht nicht erreicht und schon Hautfalten gebildet hatte, die ein Anzeichen für eine beginnende Dehydrierung sind. Ich war fix und fertig, machte mir riesige Vorwürfe und war am Boden zerstört.

Ich musste nun abpumpen und stillen und jeden Tag zum Wiegen. Ich saß den ganzen Tag im Kinderzimmer. Wenn ich nicht stillte, pumpte ich ab und fühlte mich einfach elend. Mein Sohn nahm langsam an Gewicht zu. Es stellte sich heraus, dass ich nur sehr wenig Milch hatte und mein Sohn nachts häufig wegen Hunger und nicht wegen Blähungen weinte.

Nach einer Woche beschloss ich, dass ich tagsüber nur noch die Flasche geben werde und ließ mich auch nicht mehr beraten oder beeinflussen.

Es war für mich die beste Entscheidung! Mein Sohn nahm zu und entwickelte sich prächtig. Ich hatte kein schlechtes Gewissen mehr, sondern fühlte mich befreit. Der Papa konnte nun auch füttern und mir damit einen Freiraum verschaffen, den ich sehr genoss und aus dem ich Kraft schöpfen konnte.

Das Desaster wollte ich beim zweiten Mal vermeiden

Im Oktober 2014 kam meine Tochter auf die Welt. Im Vorfeld besprach ich mit meiner neuen Nachsorgehebamme, die auch Stillberaterin war, meine Vorgeschichte und das, was nun kommen würde. Mein Wunsch war, meiner Kleinen die Vormilch und die darin enthaltenen wertvollen Abwehrstoffe zukommen zu lassen.

Bereits im Krankenhaus wechselte ich zwischen Stillen, Abpumpen und Zufüttern. Ich wollte nicht noch mal so ein Desaster erleben. Es ging alles ganz gut. Zuhause angekommen pumpte ich auch noch ein paar Tage ab, um einen Milchstau zu verhindern.

Nach kurzer Zeit beschloss ich in Absprache mit meiner Hebamme, dass ich meiner Tochter Milchpulver geben möchte, da ich Abpumpen, Stillen und Füttern mit einem zweijährigen Zwerg zuhause schwierig fand. Zitat am Frühstückstisch (uns war die Milch für den Kaffee ausgegangen): ‚Mami, pumpen …! Papi braucht Milch!‘

Der ständige Zwang, sich rechtfertigen zu müssen

Die Entscheidung wurde von meiner Hebamme und Stillberaterin voll mitgetragen. Trotzdem begann jetzt der Rechtfertigungsmarathon – selbst bei der Kinderärztin, die das Desaster bei meinem Sohn ja mitbekommen hatte! Dieser Zwang von außen, meine Entscheidung verteidigen zu müssen, machte mich richtig wütend. Ich teilte in aller Deutlichkeit mit, dass mein Entschluss zu akzeptieren ist. Dass jeder das tun darf, was in seinen Augen und in seiner Situation richtig sei. Und dass es grenzüberschreitend ist, die Entscheidung einer liebenden Mami in Frage zu stellen!

Meine Tochter wächst und gedeiht und ist in jedem Bereich laut Kinderärztin vorne mit dabei, so dass das Nichtstillen sie nicht negativ beeinflusst hat. Wir haben eine sehr enge Bindung. Kuscheln kann ich schließlich auch, wenn ich die Flasche gebe. Und: Auch der Papa kann die kleine Dame beruhigen, das ist für alle Beteiligten nicht nur praktisch, sondern vor allem schön.“

 


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