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Luxus, Entspannung und Familie – das schließt sich keineswegs gegenseitig aus, sondern kann sich sogar wunderbar ergänzen. Wer seine Zeit gemeinsam mit den Kindern verbringen, entscheidet sich daher immer öfter bewusst für ein Kinderhotel. Dort steht die Familie im Vordergrund und mit ihr die Interessen eines jeden Einzelnen. Doch was macht den Urlaub in einem Kinderhotel wirklich aus? Und wie steht es um die Ferienbedürfnisse von Familien heutzutage?

Darüber haben wir mit Tina Stengle im Interview gesprochen – sie ist Public Relation Managerin von drei der führenden Kinderhotels Europas: das Leading Family Hotel & Resort Alpenrose in Tirol, das Kinderhotel Oberjoch im Allgäu und das Leading Familiy Hotel & Resort Dachsteinkönig im Salzkammergut.

Nuckelchen.de: Hotels für Familien gibt es unter der Marke “Kinderhotels Europa” bereits seit 1988. Warum erfreuen sich diese Hotels aber gerade jetzt immer stärker Beliebtheit?

Tina Stengle: In erster Linie ist es ein Stück Sicherheit, das wir vermitteln. Wir haben unsere Hotels in den Alpen, einer sicheren Gegend, und sind gestandene Hotels mit einem festen Konzept. Durch die aktuelle politische Lage stehen Familien mit Kleinkindern vor der Entscheidung: Fliegen wir irgendwohin in den Urlaub oder bleiben wir in der Heimat? Vor allem beim ersten Baby, wenn man noch nicht weiß, wie das alles laufen würde mit Flug und dem ganzen Gepäck. In solch einem Moment vermitteln wir Sicherheit. Wir kommunizieren offen, dass man bei uns nichts in die Hotels mitbringen muss, da wir bereits für alles vor Ort gesorgt haben. Diesen Service darf man nicht unterschätzen auf einem Markt für Familienurlaub, der wahnsinnig groß ist.

Wählen Familien ihre Reiseziele also bedachter als noch vor einigen Jahren?

Familien wollen in den Urlaub fahren und haben über die Jahre hinweg aber auch Ansprüche entwickelt. Da heißt es eben nicht mehr nur Campingplatz oder Frühstückspension. Viele Familien arbeiten hart und wollen sich im Urlaub dann mal etwas gönnen. Das Verständnis von Wellness und Lifestyle hat sich mit den Familien und den Hotels mitentwickelt.

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Was macht Ihrer Meinung nach ein gutes Familienhotel aus?

Ein gutes Familienhotel, so wie wir es verstehen, ist kein Spiel-und-Spaß-Indoor-Spielplatz, sondern bietet für jedes Familienmitglied etwas. Wir geben zum einen den Eltern die Möglichkeit, ihren Hobbys nachzugehen – und zwar mit gutem Gewissen, weil ihre Kinder bei uns professionell betreut sind. Andererseits bieten wir aber auch das Erlebnis für die ganze Familie an, wie etwa eine Fackelwanderung oder eine Pferdekutschfahrt. Hier oder auch beim gemeinsamen Essen trifft man sich wieder, kann sich über seinen Tag austauschen. Das unterscheidet uns von anderen Hotels: Bei uns haben nicht nur die Eltern oder die Kinder Spaß, sondern bei uns geht beides unter einen Hut. Das macht uns aus.

Wenn sich Eltern für ein Kinderhotel entscheiden, müssen sie sich dafür oftmals Vorwürfe anhören: Sie würden ja nur ihre Kinder weggeben und ihre Ruhe haben wollen – oder sie seien zu sehr auf ihre Kinder fixiert und würden ihren Urlaub nur auf den Nachwuchs ausrichten. Was sagen Sie zu solchen Vorwürfen?

Es ist ganz klar eine Charakterfrage, ob und warum man sich für ein Kinderhotel entscheidet oder nicht. Wie stellen sich die Familien ihren Urlaub vor? Wie sind die Eltern aufgewachsen? Wie haben sie Urlaub erlebt? Wir als Hotel können diese Vorwürfe natürlich nicht an uns heranlassen. Wir haben unser Angebot, aber wie eine Familie dieses Angebot nutzt, bleibt natürlich ihr überlassen. Man könnte seine Kinder im Ernstfall 13 Stunden pro Tag abgeben – oder eben nicht.

Durch unser vielfältiges Programm bieten wir Eltern die Möglichkeit, das Angebot so oder so ganz ohne schlechtes Gewissen nutzen zu können. Im Hotel Dachsteinkönig etwa gibt es den Godei-Club – einen riesigen Raum, in dem die Familien zum Spielen zusammenkommen und gemeinsam ihre Zeit gestalten können. Hier warten klassische Spiele wie “Mensch ärgere dich nicht” oder auch Bowling ebenso auf die Familien wie Airhockey oder Konsolenspiele.

Wie haben sich denn die Bedürfnisse der Familien in den vergangenen Jahren verändert?

Ich denke, die Familien haben sich noch etwas mehr spezialisiert. Der Zeitfaktor steht noch mehr im Vordergrund als früher. Familien wollen nicht mehr so viel wie möglich erleben, sondern lieber wertvolle Zeit und ausgewählte schöne Erlebnisse bewusst miteinander verbringen. Das ist sicherlich der größte Unterschied zu früher. Damals ist man vom Skifahren zum Rodeln und dann ab ins Schwimmbad gehetzt, man unterwarf sich dem Freizeitstress. Heute merken wir, dass Familien ihre Zeit wieder kostbarer ist und viel wert. Bei unseren Gästen ist es oftmals so, dass die Männer Geschäftsführer und viel auf Dienstreisen sind, die Frauen mit den Kindern zu Hause bleiben. Im Urlaub kommt man dann wieder zusammen, isst zusammen, genießt zusammen – was zu Hause oftmals einfach gar nicht möglich ist.

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Das Hotel dient also als eine Art Insel der Auszeit?

Richtig. Und zwar als die einer gut geplanten Auszeit. Unsere Gäste möchten das Wochenprogramm vorab wissen, deshalb findet man das auch auf der Hotel-Website. Sie möchten wissen, was man bei uns wann machen kann und ihre Zeit somit bewusst verplanen. Man orientiert sich nicht mehr erst vor Ort und fühlt sich dann vom Angebot erschlagen, sondern wählt bereits zu Hause aus, was im Urlaub stattfinden soll und was nicht. Diese Herangehensweise hat sich im Vergleich zu früher deutlich verändert.

Sie haben das Profil Ihrer Gäste bereits kurz angerissen: Wie sieht denn die Zielgruppe von Kinderhotels aus? Angesichts des Preises, den dieses Rundum-sorglos-Erlebnis mit sich bringt, zählt da ja nicht jede Familie mit Kindern automatisch dazu.

Unsere Zielgruppe sind gut situierte Familien. Wir bieten nur All Inclusive an und das kostet. Bei uns kann man nicht nur Frühstück buchen oder den Kinderclub abwählen, weil man ihn nicht braucht – es gibt nur das Gesamtpaket und daher muss das Einkommen natürlich passen. Wir haben viele Familien, in denen die Eltern selbstständig sind oder in einer leitenden Position. Außerdem spielt die Anreise eine große Rolle: Die Erfahrung hat uns gezeigt, dass Familien maximal 4,5 Stunden Fahrt auf sich nehmen möchten.

Was würden Sie sagen, wie wichtig das Thema Luxus im Familienurlaub inzwischen geworden ist?

Wir haben gerade unsere neue Image-Broschüre entwickelt und da steht auch drin, dass die Zeit der goldenen Wasserhähne vorbei ist. Luxus und Ästhetik definieren sich mittlerweile über das Wohlgefühl und nicht mehr über Marmorplatten im Bad oder verschnörkelte Kronleuchter an der Decke. Das hat die Entwicklung mit sich gebracht.

Gibt es bei der Entwicklung von Kinderhotels Tendenzen, die Ihnen mit Blick auf die kommenden Jahre etwas Sorge bereiten?

Das Thema Familienurlaub hat immer Saison, daher machen wir uns nicht allzu große Sorgen. Wir sind mit unseren Hotels ganz klar spezialisiert und positioniert, kennen unsere Zielgruppe und sind stets bereit, zu investieren und dadurch Neuerungen zu schaffen. Das Dachsteinkönig etwa ist das erste Hotel, in dem wir versuchen, weitestgehend ohne Papier auszukommen. Die meisten Spielen sind digitalisiert und in den Zimmern gibt es Suite-Pads, in denen sich alle Informationen und Services rund ums Hotel und das Thema Unterhaltung finden.

Sorgen mache ich mir nur um Hotels, die nicht am Ball bleiben und denken, dass der 80er-/90er-Jahre-Charme noch funktioniert. Die gibt es leider auch, doch es kommt vieles nach, das zur Konkurrenz wird: von Robinson Club zum Beispiel oder auch Center Parcs. Hotels, die nicht bereit sind, in die Zukunft zu investieren, werden es sicherlich schwerer haben. Doch so lange man die Augen offen hält und den Entwicklungen folgt, funktioniert das Prinzip Kinderhotel meiner Meinung nach.

Vielen Dank.

Erster Kommentar: Kinderhotel-Expertin im Interview: “Im Urlaub finden Familien wieder zueinander”

  1. Amalia B says:

    Vielen Dank für den Bericht. Als Familie ist es schön, dass sich so viele Hotels auf den Familienurlaub spezialisiert haben. Familienurlaub soll ja für die Groß und Klein Spaß machen.

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